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Ein neues Album bringt der Schlager- und Country-Barde an den Start und seine Autobiografie wird im gleichen Atemzug mitveröffentlicht. Gunter Gabriel lag am Boden, wie man es so schön sagt. Totgeglaubt, fallen gelassen, einsam auf seinem Hausboot. Aber der deutsche Rebell hat niemals aufgegeben und immer seinen Streifen durchgezogen, ist sich selber treu geblieben und hat sich zurückgekämpft an die Spitze.

Ein paar Worte zur neuen CD "Sohn aus dem Volk - German Recordings" findet ihr bei unseren Kollegen von Musiktipps24.com.
Wir wollen an dieser Stelle gezielter auf die Biografie von Gabriel eingeben. Zusammen mit dem Journalisten Oliver Flesch hat Gabriel auf über 200 Seiten die Höhen und Tiefen seines Lebens festgehalten. Er verheimlicht nichts und schönt auch nichts. Der Sänger ist, wie er immer war: Ehrlich! Manchmal vielleicht einen ´Ticken zu ehrlich, aber gerade das macht sein Buch so interessant. Er ist sich auch nicht zu schade, seine Niederlagen darzustellen und den Fans zu erklären.

Das Buch heißt "Wer einmal tief im Keller saß" erscheint auch als Hörbuch. Allerdings etwas anders als man es erwartet. Gabriel liest natürlich selber bzw. viel eher erzählt er und ab und an lässt er sogar einen Unplugged-Song erklingen. Somit macht er das Hörbuch zu einem Abenteuer für die Ohren.
Zu guter Letzt möchte ich euch an dieser Stelle eine offizielle Leseprobe des Buches "Wer einmal tief im Keller saß" nahelegen. Viel Spaß damit.

Leseprobe / Auszug aus "Wer einmal tief im keller saß von Gunter Gabriel

Kapitel18: Ricky Shayne, Bob Dylan,Frank Zander und ich

Mein Leben war Anfang der 70er ein Trümmerhaufen. Sänger, DJ, Promoter,
Ehe kaputt, kein Geld in der Tasche. Schulden. Nix funktionierte,
worauf man was hätte aufbauen können. Bis Chris Juwens sagte: »Komm
mit nach Berlin. Vergiss den ganzen Scheiß. Wir schreiben zusammen
Songs: du den Text, ich die Musik. Und dann wirst du schon sehen, wie du
zu Knete kommst.«
Und so kam es: Thomas Meisel nahm mich als Songschreiber unter
Vertrag. Er selbst war damals Produzent von Ricky Shayne und Rex Gildo
und leitete mit seinem Bruder Peter sehr erfolgreich den großen Musikverlag
Hansa. In dieser Hitschmiede traf sich alles, was Rang und Namen hatte:
Drafi Deutscher, Howard Carpendale, Christian Anders, Roland Kaiser,
Juliane Werding, Frank Farian. Und in den 80ern auch Dieter Bohlen. Hier
entstanden die wahnsinnigen Sachen mit Boney M. und Modern Talking.
Hier wurde ich mit Frank Zander ein erfolgreiches Songwriter-Team und es
entstanden Songs, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie je aus meinem
Hirn kommen könnten. Das habe ich vor allem meinem Entdecker und Förderer
Thomas Meisel zu verdanken. Aber das wusste ich 1971 noch nicht, als
ich mit zwei Texten in der Tasche auf dem Tempelhofer Flughafen landete.
1983
Kreuzberger Lifestyle
auf Kalle Ringenas Loft.
Warum denn in die Ferne
schweifen, sieh, das Gute
liegt so nah
113
Peter Meisel war der härtere Part der beiden Meisel-Brüder. Ich saß
eines Tages an seinem Schreibtisch und meinte lapidar: »Eigentlich möchte
ich nicht nur Songs schreiben, sondern auch singen.« Daraufhin stand er
auf, ging zu seinem Wandschrank, öffnete die Tür und winkte mich zu sich
ran. Auf der Innenseite der Tür war ein großer Spiegel. »Guck da rein. Was
meinst du, ob man von dem Typen je eine einzige Platte verkaufen kann?«
Und dann hielt er mir das neueste Cover von Howard Carpendale vor die
Nase. Und dann das von Christian Anders. Und das von Drafi Deutscher.
Mir schossen die Tränen in die Augen und ich war schneller draußen als
ich reingekommen war. Und ich hasste ihn dafür. Er erinnerte mich ein
wenig an meinen Vater. So ein Mistkerl. Aber vielleicht hatte er recht.
Und während Christian Anders mit einem goldenen Rolls Royce durch
die Stadt segelte und Ricky Shayne mit dem neuesten Cadillac, fuhr ich
immer noch einen alten, rostigen VW Variant. Und kriegte keine müde
Mark auf die Naht. »Du kannst in unseren Studios Aschenbecher leeren
und Kaffee kochen. Du kannst für unsere Künstler die Anlagen aufbauen
oder als Fahrer arbeiten. Diese Branche bietet jedem etwas. Du musst
nicht unbedingt Sänger oder Songschreiber werden, wenn das Talent nicht
reicht.« Peter Meisel war unbarmherzig. Er war der Torero, ich der Stier.
Und ich lag geschlagen im Sand.
Alle Songs, die ich auf Kommando schreiben sollte, fielen durch. Und
Thomas Meisel wurde zunehmend enttäuschter. Ich brachte einfach nichts
auf die Beine. Inzwischen hatte das zweite Vertragsjahr angefangen. Und
kein Erfolg in Sicht. Die Vorschusszahlungen drohten mich zu erdrücken.
So arbeitete ich nachts in diversen Diskotheken und Clubs in Berlin
und Gaby bei einer Autofirma im Büro. Dem anfänglichen Glücksgefühl
wegen der neuen Situation folgte mit der Zeit jähes Entsetzen. Auf dem
Damoklesschwert, das über mir hing, standen Gabys Worte: »Ich hab’s
ja gleich gewusst. Hättest du doch zu Ende studiert, dann wärst du jetzt
Ingenieur.«
Trost gab mir Fred Jay. Er war zwanzig Jahre älter als ich, er wusste,
wie das Handwerk läuft. Wir saßen oft in der kleinen Konditorei auf
der Wittelsbacher Straße in Berlin und er gab mir Tipps. »Guck dir die
Country-Charts an. Die Hot One Hundred. Da sind immer ‘n paar Song-
Ideen dazwischen, mit denen du was machen kannst.« Und dann drückte
er mir das neueste Billboard-Magazin aus den USA in die Hand und sagte:
»Du machst das schon. Alles braucht seine Zeit.«

Dieser Artikel wurde geschrieben von Whykiki

Dieser Eintrag wurde erstellt am Freitag, 23. Oktober 2009 ist abgelegt unter "Biografie".
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