leseprobe24 Blog

Vor ungefähr 10 Jahren entdeckte ich das BuchHanna, Gottes kleinster Engel von Angela Sommer-Bodenburg. Seitdem steht es in meinem Bücherregal und wurde bisher zweimal von mir gelesen.  Eigentlich eine Ehre für dieses  Buch da ich  Bücher immer nur einmal lese und danach verschenke oder verkaufe.  Hanna,Gottes kleinster Engel ist aber so ein Buch welches ich nicht hergeben mag, zu sehr bewegt mich die Geschichte des kleinen Mädchens Hanna die in ihrem lieblosen Elternhaus emotional völlig verwahrlost aufwächst. Einzig ihr älterer  Bruder kümmert sich um Hanna und erklärt in einem Aufsatz über Engel das seine Schwester Hanna ein kleiner Engel sei. Denn immer wieder versucht Hanna ihrer Familie bzw. ihrer gefühlskalten Mutter  Liebe entgegenzubringen. Leider scheitert sie an diesem Vorhaben kläglich und das Ganze endet in einer “Katastrophe” die traurig und betroffen macht. Angela Sommer-Bodenburg die durch die Figur Der kleine Vampir berühmt wurde versteht es mit diesem  immer aktuellen Thema , nachdenklich zu machen.

Und wie immer gibt es auch zu diesem Buch eine Leseprobe:

 

Unsere Wohnung liegt im Erdgeschoß. Von den vier Türen ist unsere die zweite von links. Ich klingele. Wir hören Schritte hinter der Tür,dann öffnet unsere Mutter. “Hallo,Mutti”,sage ich. Aber sie starrt mich nur an, dreht sich um und verschwindet wieder. Wir treten ein, und ich mache die Tür zu.
“Kanada”, flüstere ich.
Es war Hannas Idee, die Stimmungen unserer Mutter in Kältezonen einzuteilen. Kanada ist noch einigermaßen erträglich.
“Nein, Alaska”,sagt Hanna. Und auf dich ist sie jetzt auch böse.
Warum sollte sie auf mich böse sein?
Weil du mich mitgebracht hast.
Deswegen ist Mutti bestimmt nicht böse.
Und warum hat sie dann nicht geantwortet, als du “Hallo, Mutti” gesagt hast?
Wahrscheinlich wollte sie schnell an den Herd zurück, damit ihr die Pfannkuchen nichtanbrennen.
Du glaubst,sie backt Pfannkuchen? Hanna leckt sich die Lippen. Pfannkuchen sind ihr Lieblingsessen, das es allerdingsnur ganz selten gibt.
“Ja. Aber nicht für Hanna”, kommt da die Stimme unserer Mutter aus der Küche. “Hanna wird sofort ins Badezimmer gehen und dort in Ruhe über ihre Ungezogenheiten nachdenken. Und Wolfgang schließt die Tür hinter ihr ab!
Hanna ballt ihre Fäuste.  “Ich mag sowieso keine Pfannkuchen mehr. Und ins Badezimmer geh ich gern! Ich hab nämlich Kopfschmerzen!”
Dann verschwindet sie in dem engen,fensterlosen Raum.
“Hast du abgeschlossen?” fragt unsere Mutter.
“Ja”. Ich ziehe den Schlüssel aus dem Schloß.
“Und ist das Licht aus”?
“Ja.” Das Badezimmer hat nur einen Lichtschalter,außen im Flur.
“Komm endlich, deine Pfannkuchen werden kalt” ruft unsere Mutter. “Und bring den Schlüssel mit.”
“Du darfst bestimmt bald wieder raus”, flüstere ich Hanna durch die Tür zu.
Sie antwortet nicht. Wahrscheinlich spielt sie wieder Hanna Unsichtbar. Hanna Unsichtbar ist blind und taub und stumm.
Ich gehe ins Wohnzimmer.Ein Teller mit drei Pfannkuchen steht auf dem Tisch. Ich nehme einen und streue Zucker darüber.
“Hast du nichts vergessen?” erinnert mich unsere Mutter.
“Doch”,fällt mir ein. Ich laufe in die Küche und wasche mir die Hände über dem Spülbecken.
Danach essen wir.
“Und wie war es in der Schule?” fragt sie.
“In der Schule? Wie immer.”
“Und was hat dein Lehrer gesagt?”
“Mein Lehrer? Was soll er denn gesagt haben?”
“Herrgott noch mal!” stöhnt unsere Mutter.
“Nun laß dir doch nicht jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen. Irgend etwas wird er ja wohl gesagt haben.”
“Ich…ich weiß nicht mehr”, stottere ich.
Herr Findling hat uns eingeschärft, zu Hause auf keinen Fall etwas von dem Engelbuch zu verraten.
“Weil du wieder nicht aufgepaßt hast! Weil du deine Ohren immer auf Durchzug stellst!”
“Nein”, wiederspreche ich. “Ich habe aufgepaßt.”
“Und was hat er dann gesagt, dein Lehrer?”
“Ich…kann mich nicht mehr erinnern.”
“Siehst du! Gibst du jetzt zu, daß du nicht aufgepaßt hast?”
“Ja.”
“Was, ja?”
“Es stimmt, ich habe nicht aufgepasst.”
“Wenigstens gestehst du deine Fehler ein. Und das kann man nicht von jedem in dieser Familie behaupten.”
Sie zeigt auf den dritten Pfannkuchen. “Hast du keinen Hunger mehr?”
“Doch. Aber ich dachte, der ist für Hanna.”
“Nein. Die kriegt keinen.”
Ich nehme mir den Pfannkuchen.

Dieser Artikel wurde geschrieben von Rosinenmaedchen

Dieser Eintrag wurde erstellt am Freitag, 20. Februar 2009 ist abgelegt unter "Allgemein, Roman".
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